
Neues Bewertungsportal: erfahrungen.app - Aufpassen, nicht zu schnell loslegen!
Seit ein paar Tagen kommt es immer wieder zu Meldungen, dass eine neue Firmen-Suchmaschine namens Erfahrungen.app die Daten von meiner Firma (natürlich auch andere) erfasst hat und man soll sich doch bitte registrieren. Ich habe einmal recherchiert und kann nur feststellen, dass das Ganze nicht nur neu ist, sondern auch die Bewertungen von anderen Plattformen wie TrustLocal, TrustPilot, CHECK24, und so weiter kopiert und in einer eigenen Datenbank zusammenfasst. Deshalb meine aktuelle Warnung nicht vor schnell einen neuen Werbevertrag abschließen, denn es gibt bei Erfahrungen. App noch nicht mal ein vernünftiges und Bewertbares Impressum.
Der erste Eindruck ist nach meiner Prüfung im Kern richtig: erfahrungen.app wirkt derzeit wie ein sehr junges, automatisiert aufgebautes Bewertungs- und Firmenverzeichnis, das massenhaft Unternehmensprofile aus öffentlichen Daten erzeugt und dabei offenbar Bewertungsdaten anderer Plattformen übernimmt. Ich würde die drei Profile momentan weder kostenpflichtig buchen noch vorschnell „beanspruchen“.
Was ich konkret gefunden habe:
- Die Firma muss einer Aufnahme offenbar nicht zustimmen. Die Plattform erklärt selbst, rund 1,3 Millionen öffentliche Firmenprofile zu führen. Ein nicht beanspruchtes Profil könne anschließend vom Unternehmen registriert bzw. „beansprucht“ werden. Dass Reiseblog24, CSP24 oder Artem24 im jeweiligen eigenen Impressum nichts dazu schreiben, ist daher nicht überraschend.
- Die Bewertungsbestände sehen sehr stark nach einer Übernahme von Trustpilot aus. Beispielsweise führt erfahrungen.app bei CHECK24 exakt 363.933 Bewertungen auf, zeigt aktuelle vollständige Rezensionstexte, Verfasser, Zeitpunkte, „verifiziert“-Kennzeichnung, Antwortquote und typische Antwortzeit. Das sind charakteristische Trustpilot-Daten. Auch Adressen wie
tauchen als Firmenkontakt auf. Beispiel CHECK24, Beispiel WeltbildDiese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. - In der Datenschutzerklärung räumt die Plattform selbst ein, „öffentlich zugängliche Bewertungsmetadaten anderer Portale“ zu verarbeiten. Eine klare, gut sichtbare Zuordnung jeder einzelnen Bewertung zu Trustpilot konnte ich aber nicht feststellen. Datenschutzerklärung
- Die behaupteten „22.000.000 echten Kundenbewertungen“ sind also offenbar nicht gleichbedeutend mit 22 Millionen originär bei erfahrungen.app abgegebenen Bewertungen. Die Darstellung kann beim flüchtigen Lesen einen anderen Eindruck vermitteln.
- Es gibt deutliche Fehler, die für einen automatisierten Import sprechen: Das Profil unter
holidaycheck.dewird beispielsweise als „Joachim u. Karl-Heinz Hegele Gasthaus“ bezeichnet, zeigt aber Rezensionen zu HolidayCheck. Bei Weltbild passen Firma, Sitz und Adresse ebenfalls erkennbar nicht sauber zusammen. - Die Website behauptet zugleich, „eigene Daten“ zu haben und „kein US-Portal mit deutscher Oberfläche“ zu sein. Das passt schlecht zu ihrer eigenen Datenschutzerklärung und den AGB, die als Betreiber eine US-Gesellschaft nennen. Selbstdarstellung
Besonders problematisch finde ich die Betreiberangaben:
- Im aktuellen Impressum steht „Erfahrungen Deutschland GmbH, Gänsemarkt 43, Hamburg“.
- Eine Handelsregisternummer, das zuständige Register, eine vertretungsberechtigte natürliche Person und eine Telefonnummer fehlen dort.
- Dagegen nennen Datenschutzerklärung und AGB eine „erfahrungen.app LLC“ in Kalifornien als Betreiber bzw. Verantwortlichen.
- Die dort angegebene Adresse
10100 Santa Monica Blvd, Suite 2600ist keine eindeutig zuordenbare Betreiberadresse; sie wird auch von verschiedenen anderen Unternehmen verwendet. - Für beide genannten Gesellschaften konnte ich über eine normale öffentliche Suche keinen belastbaren Registerbeleg finden. Das beweist nicht, dass sie nicht existieren – aber für eine Plattform, die Transparenz und Registerprüfung zu ihrem Kerngeschäft erklärt, ist dieser Widerspruch ein erhebliches Warnsignal.
- Die Domain besteht zwar seit 2021, die derzeitige Plattform und ihre Rechtstexte scheinen aber erst seit Ende August 2026 in dieser Form online bzw. indexiert zu sein. Die Eigenangaben „900 übernommene Profile“, „1,3 Millionen Profile“ und „Deutschlands #1 Bewertungsportal“ sind derzeit nicht unabhängig belegt.
Meine Einschätzung: Ich kann aufgrund dessen nicht sagen, dass es sich um Betrug handelt. Für einen seriös nachprüfbaren Geschäftspartner reichen die vorliegenden Angaben momentan aber ebenfalls nicht. Es handelt sich wahrscheinlich vor allem um eine aggressive Akquise: Profile werden automatisiert angelegt, Firmen werden darüber informiert und zur Registrierung gebracht; anschließend werden Pakete für 49€, 99€ oder 299€ monatlich angeboten.
Laut Preisseite soll das reine Beanspruchen kostenlos sein, kostenpflichtige Tarife werden aber prominent vermarktet. Preise und Leistungsumfang
Was ich gemacht habe:
- Nicht über den Link in der Mail registrieren und nichts bezahlen.
- Die Profilseiten und die erhaltenen E-Mails einschließlich vollständiger Kopfzeilen sichern.
- Schriftlich Herkunft, Rechtsgrundlage und genaue Quelle der dargestellten Bewertungen verlangen.
- Außerdem Handelsregisterauszug, Registernummer und Vertretungsberechtigte der „Erfahrungen Deutschland GmbH“ beziehungsweise Registerbeleg der LLC anfordern.
- Der weiteren werblichen Kontaktaufnahme ausdrücklich widersprechen. Unverlangte Werbe-E-Mails erfordern grundsätzlich auch im B2B-Bereich eine vorherige ausdrückliche Einwilligung; die Ausnahmen sind eng begrenzt. Das ergibt sich aus § 7 UWG.





